Anglizismen - eine Bereicherung der deutschen Sprache?
sale
Wer etwas zu herabgesetzten Preisen kaufen wollte, ging früher gern in den Sommer- und Winterschlussverkauf. Die sind zwar als feste Einrichtung abgeschafft, dafür lesen wir heutzutage an und in vielen Geschäften die Werbung „sale“ oder sogar „final sale“. Diese englischen Bezeichnungen sind für viele unverständlich und verdrängen außerdem die deutschen Wörter Ausverkauf oder Schlussverkauf.

ticket
Englisch ist eine einfach zu lernende Sprache: Fester Satzbau, wenig konjugierte und deklinierte Wörter und kurz im Ausdruck. Deutsch dagegen ist schwerer, aber dafür auch präziser in der Benennung des Gemeinten. Wo im Englischen für verschiedene Dinge häufig nur ein Wort verwendet wird, ermöglicht das Deutsche, verschiedene Dinge auch durch verschiedene Wörter zu unterscheiden. So hört man heutzutage beispielweise immer wieder das englische Wort „ticket“. Damit gemeint sein können Karte, Eintrittskarte Fahrkarte, Fahrschein, Flugschein oder gar Strafzettel.

Da fragt sich doch: Ist das englische Wort „ticket“ wirklich eine Bereicherung der deutschen Sprache?

live
Sehr gern wird von manchen Zeitgenossen das englische Wort „live“ in deutsche Sätze eingefügt. Sehen wir uns dazu zwei Beispiele an und prüfen, ob das Wort „live“ für das Deutsche eine Bereicherung ist. Zu lesen war neulich in einer Fernsehzeitschrift:
Udo Jürgens live bei Stefan Raab.
Wenn man davon ausgeht, dass der Sänger Udo Jürgens bei Stefan Raab nicht als Geist auftreten wird, so reicht es doch zu sagen:
Udo Jürgens bei Stefan Raab.

Eine Zeitung berichtet über die Freiluftveranstaltung von Robbie Williams in Berlin:
Robbie Williams sang im grauen Herbstwetter live sieben Lieder .
Die vielen erschienenen Anhänger von Robbie Williams haben gewiss nicht eine vom Band singende Pappfigur des Künstlers erlebt, deswegen reichte der Satz:
Robbie Williams sang im grauen Herstwetter sieben Lieder.

Wie an den Beispielen zu sehen ist, stellt das englische Wort „live“ für das Deutsche nur ein überflüssiges Füllwort dar. Es ist also keine Bereicherung der deutschen Sprache.

Der sächsische Genitiv
Diesmal geht es nicht um ein in der deutschen Sprache überflüssiges englisches Wort, sondern um die Schreibweise des Genitivs im Deutschen und im Englischen. So liest man zum Beispiel
Schneider's Getränkequelle
oder
Monika's Boutique
und ähnliche Bezeichnungen. Die Schreibweise des Genitivs mit Apostroph ( sächsischer Genitiv) ist zwar im Englischen üblich, die deutsche Schreibweise ist jedenfalls
Schneiders Getränkequelle
oder
Monikas Boutique.

Auch hier imitiert man wieder gedankenlos das Englische.

Newsletter
Bekommen sie auch von allen möglichen Firmen, die ihre E-Post Adresse haben, ständig „ Newsletters“ zugeschickt? Es gibt doch wahrhaftig genügend deutsche Wörter für das englische Wort „Newsletter“.Wie wäre es stattdessen je nach Anlass mit „Rundbrief, Infobrief, Rundschreiben, Neues von..., Aktuelles, neue Angebote oder Mitteilung?
Wehren sie sich gegen diesen entbehrlichen Anglizismus, indem sie eine Antwort-E-Post schreiben und sich gegen den Gebrauch von „Newsletter “ verwahren.
Oder bestellen sie doch solche Mitteilungen einfach ab.

Award
Häufig lesen wir, dass manche Schauspieler, Musiker, Unternehmen, Gruppen oder Einzelpersonen aus Deutschland für besondere Leistungen auf einem Gebiet einen „Award“ verliehen bekommen haben. Dabei handelt es sich bei dem Ausdruck „Award“ um einen entbehrlichen Anglizismus, der die deutschen Wörter „Preis, Ehrenpreis, Auszeichnung“ leider verdrängt.

Workshop
Sind sie auch schon mal zu einem „Workshop“ eingeladen worden und fragten sich vielleicht, was sie dort Besonderes erwartet? Es ist nichts Anderes als eine Arbeitstagung, eine Arbeitssitzung, ein Arbeitskreis, eine Denkwerkstatt, ein Kurs, ein Lehrgang oder ein Seminar. Warum wählt man nicht ein deutsches Wort? Wahrscheinlich will man die Veranstaltung mit einem entbehrlichen Anglizismus sprachlich aufblähen.

Meeting
Zum Imponierenglisch gehört auch immer häufiger das englische Wort Meeting oder das entsprechende Verb to meet. In einer Firma kommt es zum Beispiel nicht mehr zu einem Treffen, zu einer Zusammenkunft oder zu einer Besprechung von Mitarbeitern, sondern zu einem Meeting. Oder wie es in einer Vorstellung für einen neuen Autotyp hieß: „A3 Sportback meets Superliquid“.

News
Die Fernsehsender ARD, ZDF, Sat1 und N24 bringen noch Nachrichten. Bei RTL 2 und Kabel 1 heißt es jedoch News. Und Pro 7 bringt sogar eine Newstime. Auch sonst sagt und schreibt man immer öfter News. Warum verwendet man eigentlich nicht das deutsche Wort Nachrichten? Wahrscheinlich ist es vielen nicht englisch oder amerikanisch genug!

Location
Wenn manche sprachliche Wichtigtuer einen Ort, einen Standpunkt, eine Position oder einen Veranstaltungsort angeben wollen, verwenden sie den englischen Ausdruck „Location“. Zum Beispiel wird nicht der Veranstaltungsort angegeben, sondern man nennt es Eventlocation.

Performance
Wir lesen oft das englische Wort „Performance“. Wenn z.B. ein neues Automodell vorgestellt wird, oder über den Auftritt einer Theater- oder einer Musikgruppe oder ähnliches berichtet wird, ist es eine „Performance“. Wenn „Performance“ Vorstellung, Auftritt, Aufführung bedeutet, warum sagt man es dann nicht in Deutsch? Es besteht heutzutage der weitverbreitete Glaube, wenn man eine Sache mit einem englischen oder amerikanischen Namen versieht, sei es etwas Besonderes. Ist es aber in der Regel gar nicht!

Fake News
Diskutiert werden zur Zeit Maßnahmen gegen so genannte „Fake News“ Nach meiner Erfahrung mit manchen älteren Menschen wissen sie gar nichts mit dem englischen Begriff anzufangen. Gemeint sind ja Meldungen und Berichte, die absichtlich unwahr verfasst werden, um die Öffentlichkeit für bestimmte Zwecke zu manipulieren. Solche Machenschaften sollten daher in Deutschland auch allgemein verständlich als „Falschmeldungen“ bezeichnet werden.

Equipment
Wenn man für bestimmte Arbeiten geeignete Geräte oder eine spezielle Ausrüstung braucht, so bezeichnet man dies heute häufig mit dem englischen Wort „Equipment“. Dieser englische Begriff verdrängt aus Wichtigtuerei unnötigerweise die deutschen Wörter Geräte, Werkzeuge und Ausrüstung.

( ... wird fortgesetzt )
Jürgen Franke M.A.
Vorsicht! Sprachliche „easy-Epidemie“
In Deutschland scheint sich der Anglizismus „easy“ sprachlich höchst ansteckend auszubreiten. Kredite werden von einer Bank als „easy Credit“ angeboten. Eine Fluggesellschaft wirbt für ihre Billigflüge mit „easyJet“. Ein Telefonanbieter verspricht ihnen „easy Angebote und Tarife“. Eine Eintrittskarte, die heute nur noch Ticket heißt, können sie beim „easy Ticket Service“ bestellen. In einem Büroartikelmarkt erhalten Sie einen Preisnachlass, wenn sie die „easy-Vorteil“ Karte vorzeigen. Es wäre „easy“, Entschuldigung, ich meine „leicht“, diese Beispiele fortzusetzen. Lassen sie sich nicht von dieser sprachlichen „easy- Epidemie“ anstecken. Schützen sie sich, indem sie statt „easy“ einfach „einfach“ sagen oder ein anderes viel passenderes deutsche Wort.
Jürgen Franke M.A., 2009
Ohne „out“geht es auch
Die Verwendung des englischen Wortes „out“ verdrängt deutsche Ausdrücke:
Wer sich „outet“ oder sein „outing“ betreibt, der bekennt sich öffentlich zu seinen Neigungen. Jemand, der gern „outdoor“ ist, wird neuerdings auf Denglisch „outdoorer “ genannt, dabei hält er sich nur gern in seiner Freizeit im Freien auf. Selbstverständlich braucht er dazu das geeignete „outdoor-outfit“, also die passende Kleidung für jedes Wetter. Vielleicht hat er diese günstig in einem „outlet-shop“ gekauft, d.h. im Direkt- oder Firmenverkauf eines Herstellers. Wie es in einer Gesundheitszeitung heißt, hilft gegen Rückenschmerzen ein „Workout für einen starken Rücken“, das sind nichts anderes als Übungen für die Stärkung der Rückenmuskulatur.
Hoffentlich ist die „Out-Blähsprache“ bald „out“ ,also nicht mehr zeitgemäß.
Jürgen Franke M.A., 2009
Lieber verständliches Deutsch als „to go“
Seit einiger Zeit liest man an den Schaufenstern von Bäckereien auf einem Schild „Coffee to go“. Pizzerien werben mit „Pizza to go“. Die Citi-Bank will Leute zu einem schnellen Kredit mit „Money to go“ verführen. Lobenswert ist die Idee eines Bäckers aus Eutin, seine Einmal-Kaffeebecher mit „Geh-Kaffee“ statt mit „Coffee to go“ zu bedrucken, obwohl das auch nicht gerade gut klingt. Auch wenn die Bezeichnung länger ist, dürfte die treffende deutsche Bezeichnung wohl besser „Mitnahme-Kaffee“ heißen. Entsprechend dürfte der deutsche Ausdruck für „Pizza to go“ dann „Pizza zum Mitnehmen“ lauten. Der englische Ausdruck „Money to go“ der Citi-Bank soll den Eindruck erwecken, dass man ganz schnell quasi im Vorbeigehen einen Kredit bekommen kann. Vor einem Kredit mal eben so zum Mitnehmen sollte man jedoch warnen, denn erstens gibt es ihn nicht ohne Bonitätsprüfung und zweitens sollte man sich Zeit lassen, die Kreditbedingungen zu lesen und zu vergleichen.
Jürgen Franke M.A., 2008
Ein Wort sei wahrhaftig
Das gesprochene und geschriebene Wort sei wahrhaftig, denn der Mensch wähle und verwende nicht ein Wort, um einen Sachverhalt zu verschleiern oder eine Wahrheit zu verbergen. Prüfen wir zum Beispiel den Begriff „Gesundheitsreform“. Die Definition der Weltgesundheitsorganisation lautet: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen“. Lässt sich danach überhaupt Gesundheit reformieren? Der Fremdwörter-Duden bezeichnet Reform als eine Umgestaltung, Neuordnung und Verbesserung des Bestehenden. Der Zustand eines gesunden Menschen ist bereits ein Idealzustand, der nicht weiter verbessert werden kann. Die Verwendung des Begriffes „Gesundheitsreform“ ist deshalb ein unwahrhaftiges Wort, weil damit in Wahrheit eine Umgestaltung und Neuordnung der durch Behandlung von Krankheiten entstehenden Kosten gemeint ist. Bei der so genannten „Gesundheitsreform“ handelt es sich also um eine Krankheitskostenreform. Ob man hierbei von einer Verbesserung des Bestehenden im Sinne des Wortes Reform sprechen kann, darüber lässt sich freilich trefflich streiten.
Jürgen Franke, M.A., 2007
Deutsch ist präzise
Deutsch ist eine sehr präzise Sprache
Das Wort sei präzise - und die Sprache diene der Verständigung, sich nach diesem Grundsatz zu artikulieren, fällt Deutschen gemeinhin nicht schwer.
Nun aber, so ist in der heutigen Tageszeitung zu lesen, müssen Wohngeld-Empfänger auf ihr Geld warten. Und warum? Weil sie korrekterweise ihr Geburtsdatum wie seit eh und je mit Tag, Monat, Jahr angegeben haben - und das ist jetzt falsch! Wenn einer, sagen wir, am 9. Februar im Jahre 1975 geboren wurde, so darf das nach DIN und "Meeting-Kreisen" nicht mehr 9. 2. 1975 heißen, sondern muß lauten: 02/09/1975 03:00 PM. Man reibt sich die Augen und fragt sich entgeistert: Und woran erkenne ich, ob er nun am 9. 2. oder am 2. 9. geboren ist? Tag, Monat, Jahr - vom Kleinen zum Großen ansteigend. So logisch, so präzise ist Deutsch.
Im deutschsprachigen Raum war man den Engländern und Amerikanern auch insofern voraus, als man bis 24 und nicht nur bis 12 zählen konnte. 03.00 PM - so ein Quatsch! Ei-Äm und Pie-Äm wurden da, wo es um äußerst präzise und unmißverständliche Zeitangaben ging, zum Beispiel in der internationalen Fliegerei, im Funksprechverkehr zwischen ziviler oder militärischer Flugsicherheit und Piloten, schon immer negiert. Man zählte - wie anderswo auch - die Uhrzeit nach vollen Stunden bis 24 Uhr und betonte im Fliegerenglisch, um beispielsweise 14 Uhr anzugeben: Fourteen-Hundred, also 14.00, mit der akzentuierten Betonung auf teen, um ja keine Mißverständnisse aufkommen zulassen.
Jeden deutschsprachigen Autofahrer, Handy-Nutzer, Digital-Fotografen und Gebrauchsanleitungleser muß nerven, wenn er mit Uhrzeiten wie 12 PM oder 08 AM konfrontiert wird. Wir alle sollten zum aktiven und passiven Ungehorsam aufrufen und alle Produkte und Artikel ignorieren, die mit falschen Zeitangaben daherkommen. Wir sollten alle Einladungen ablehnen, die mit mißverständlichen Datumsangaben versehen sind.
Unser nächstes Regionaltreffen mit Herrn Landrat Breuer findet am 9.2. (also am 9. Februar) im Jahre 2006 statt und beginnt um 19.30 Uhr. Alles klar?

Wolfram Martin, 2006
1/2006
Von der Mundartpflege zu den Sprachbanausen
Nachdem wir von WortReich 57 uns im Jahr 2005 schwerpunktmäßig mit den Wittgensteiner und Siegerländer Mundarten beschäftigt haben, ist für das kommende Jahr wieder der Kampf gegen überflüssige Anglizismen und sonstiges Sprachbanausentum angesagt. Wir haben das Mozartjahr - wie schön, da freuen wir uns schon drauf. Und wir haben die WM 2006. Die WM 2006 bei uns im Lande wird genügend Gelegenheiten bieten, den kreativen Unwortschöpfern bei Funk und Fernsehen "aufs sprachbanausenhafte Maul zu schauen". Wir erwarten jede Menge sprachliche Steilvorlagen, wortreiches Kurzpass-Spiel sowie gelbe und rote Karten…
Doch zunächst und ganz aktuell müssen wir uns um einen konservativen (d.h. "bewahrend", "erhaltend") Sprach-Strici (sprich: Striezi) kümmern. Sie wissen nicht, was ein Strici ist? Na, da müssen wir weit ausholen.
Strici, genau wie Krumpli (Kartoffel) und Brezli (bay. Zamperl; kleiner Hund, unbekannter Herkunft) klingt zwar deutsch, bayerisch oder österreichisch, ist aber ungarisch. Diese Begriffe wurden zur K.u.k.-Zeit in der Donaumonarchie ins Ungarische übernommen und haben sich, obwohl sprachlich immer noch als "Fremdkörper" anhörend, bis heute erhalten. Und ein Strici ist ein, na, Sie werden es nicht glauben: ein Zuhälter!
Und was hat das alles mit der deutschen Sprache zu tun? Gemach, wir nähern uns dem Thema…
Da gibt es einen konservativen (Bedeutung siehe oben) Ministerpräsidenten (im Jargon Landesvater) mit schwäbischer Aussprache, der zwar alles kann, außer Hochdeutsch, der möchte die deutsche Sprache der Beliebigkeit anheim stellen. Er wünscht (wenn Politiker sich was wünschen, ist immer Gefahr im Verzuge), daß "…Deutsch die Sprache der Familie und der Freizeit bleibt…, die Arbeitssprache aber bitte Englisch zu sein habe…".
Jetzt sind wir beim Thema: Herr Günther H. Oettinger aus Stuttgart bietet unsere Muttersprache an! Herr Günther H. Oettinger schickt unsere Muttersprache auf den Strich! Mit Verlaub, sehr geehrter Herr Oettinger aus Baden-Württemberg, jedermann und jede Frau wird Sie ab sofort einen SPRACH-STRICI nennen dürfen!

Wolfram Martin, 2005
11/2005
Spännstuwwe, Soppenjöste unn Schinnöser
Es gibt nicht nur eine Spännstuwwe in Elsoff, und es gibt Spinnstuben nicht nur in Elsoff. Doch der Gedanke und die Idee, die alte Spinnstubentradition zu erhalten oder wieder aufleben zu lassen, dürfte nicht so arg weit verbreitet sein. In der Spinnstube traf man sich früher zu Tratsch, Plausch, Nachrichtenübermittlung und fröhlich-musikalischer Gemütlichkeit. Während die Frauen spannen, webten oder nähten, "spannen" die Herren des Hauses "männlich Garn", das sich meistens um Ackerbau und Viehzucht sowie Frauensleute handelte. Natürlich auf Platt.
In den heutigen Spinnstuben - wir haben eine aus sieben Familien (und 21 Kindern) bestehende in Elsoff besucht - geht es nicht mehr so ganz idyllisch und arm zu, wie ehemals, doch gemütlich ist's noch immer, Platt wird auch noch gesprochen und man sitzt immer noch nach Geschlechtern getrennt. Dabei ist erstaunlich, daß sich die Spinnstuben entwickelten und am Leben halten, ganz ohne Satzung, Vorsitz und Vereinsmeierei. Sie eint allein die Sehnsucht und das Verlangen nach gut nachbarlichem Verhältnis, Austausch und ein wenig Abstand von Beruf und harter Arbeit.
In den Elsoffer Spinnstuben spricht man ganz selbstverständlich Platt. Und wenn ein "Zugelöfener" dazustößt, dann muß der sich anpassen, was auch meistens gelingt, zumindest mit dem Zuhören. Dabei sind gerade im Elsoffer Platt Begriffe zu finden, die es sonst nicht gibt und von denen die Elsoffer allen Ernstes glauben, daß man sie gar nicht übersetzten, sondern höchsten umschreiben könne.
Im Grenzgebiet der alten Vogtei Elsoff ging es früher immer arm zu und man war froh, wenigstens einmal täglich eine warme Suppe, ein damals typisches Arme-Leute-Essen, auf dem Tisch zu haben. Deshalb taucht das Thema "Soppe" in vielen Anekdoten und Geschichtchen wieder auf z.B. De ahgebrannte Oarwese-Soppe von E. Gücker. Ja, die Elsoffer selbst nennen sich Soppenjost oder Soppenjöste.
Eine Schinnuus (bösartige Frau) findet man im Wittgensteiner Platt, doch die Soppenjöste behaupten allen Ernstes, das es den oder die Schinnos (Mehrz. Schinnöser) nur in Elsoff gäbe und soviel heißt wie Taugenichts oder Schindluder (aha: siehe oben).
Daß der Wittgensteiner und insbesondere der Elsoffer Humor für den Außenstehenden manchmal nur schwer verständlich und begreiflich erscheint, liegt auch hin und wieder am Platt. Wenn in der Spännstuwwe die Mannsbilder sich über den "Lührpeddar" lustig machen und manch einer nur gequält mitgrinsen kann, liegt das darin, daß wirklich nur die echten Soppenjöste wissen, was ein solcher ist: ein Bulle der nicht springen will - oder (nicht mehr) kann…
In den Elsoffer Spinnstuben fühlt man sich - nicht nur der sprachlichen - Tradition verpflichtet und pflegt das Brauchtum, auch wenn es ursächlich nicht unbedingt etwas mit Spinnstuben zu tun hat: Brotbacken, Ortspflege (Stichwort: Golddorfwettbewerb) und so weiter. Auch der Scheireowend (früher der Abschiedsabend der Bediensteten zum neunen Jahr) zwei Tage vor Heiligabend wird noch hochgehalten, genau wie das Singen von "Wenkoff-Liedern" (winken, zusammenführen, verkuppeln) anläßlich von Junggesellenabschieden und Polterabenden.
Mit dem Thema Spännstuwwe, in denen sich auf sehr eindrucksvolle Weise die Wittgensteiner Mundart als traditionelles, integrierendes und verbindendes Element erhalten hat, wollen wir diese Serie beschließen in der Hoffnung, daß Wittgensteiner Platt noch lange geschwätzt wird.

Wolfram Martin, 2005
5/2005
Thema: Mundart
Teil 3

Riewekooche
von Dieter Tröps*)
Riewekooche ist das Schlagwort des Siegerlandes. Nicht zuletzt deshalb heißt die Mundartzeitschrift des Heimatbundes Siegerland-Wittgenstein e.V. auch Riewekooche - Mach's gütt!
Es ist allerdings nicht so ganz eindeutig, welche Bedeutung der Begriff in den einzelnen Ortschaften besitzt. Am längsten können wir das Wort Riewekooche zurückverfolgen in den Aufzeichnungen des 1846 in Siegen geborenen Mundartforschers Jakob Heinzerling, der in seinen Arbeiten in den 1870er Jahren erste Aufzeichnungen über unsere Mundarten zu Papier brachte. Er unterscheidet den Riewekooche wie folgt:
1. Riewekooche, früher in einem runden Tiegel, jetzt in einer viereckigen länglichen Kastenform gebackenes Kartoffelbrot.
2. Riewekooche oder Rieweblätzjer bzw. Riewekechelcher (in Siegen Grebbelcher) zu mehreren in der Pfanne auf dem Herd in Fett gebackene Kartoffelpuffer aus geriebenen rohen Kartoffeln.
Die Bezeichnung Riewekooche für die in der Pfanne gebackenen Kartoffelkuchen ist im Siegerland allgemein. Regional unterschiedliche Bezeichnungen gibt es auch heute noch. Lt. Prof. Heinzerling heißt das Kartoffelbrot "geriwener" oder "gerewener Kooche" in Trupbach, Eiserfeld, Breitenbach und Unterwilden. In Wilgersdorf spricht man vom Geriwenkuche, in Deuz und Littfeld Gerew(s)kooche, Geriwskooche in Freudenberg. In Niederschelden sagt man gerewener Däjjelskooche, in Netphen-Sohlbach, Lützel und Dreis-Tiefenbach Riwedäjjelskooche. Döffeldijjelkooche heißt es im Freien Grund, Döffelskuche in Würgendorf und Doffelskuche in Niederdressendorf. In Brühl bei Freudenberg sagt man zur Unterscheidung von dem in der Pfanne gebratenen Riewekooche auch Backesriewekooche.
Um die Sprachverwirrung noch zu steigern werden die in der Pfanne gebackenen Riewekooche in Siegen als Grebbelcher bezeichnet, als Raiwekooche im Freien Grund und Hickengrund. Im Unteren Freien Grund sagt man Döffelskooche, in Wahlbach und Burbach Pannekooche. Die Bezeichnungen Doffelkechelcher, Döffelskechelcher bzw. Kechelcher sind in Unterwilden und Altenseelbach geläufig. In Holzuhausen heißen die Reibeplätzchen - der Siegener Bezeichnung entsprechend - Gribbelcher.
*) Dieter Tröps ist Heimatgebietsleiter; Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Zeitschrift Riewekooche - Mach's gütt! Ausgabe 5/03
4/2005
Thema: Mundart
Teil 2

Was hat eigentlich ein Fingerabdruck mit Sprache gemeinsam?
Dr. Hans-Joachim Thelen
Auf der Welt soll es keine zwei Menschen mit demselben Fingerabdruck geben. Diese These nutzt die Kriminologie, um Menschen mit Hilfe ihres Fingerabdruckes zu identifizieren. Identifizieren heißt, die Übereinstimmung eines unbekannten Subjektes mit einem bekannten anhand unveräußerlicher und unveränderlicher Merkmale, wie sie der Fingerabdruck bietet, festzustellen. Was könnte die Sprache eines Menschen mit einem Fingerabdruck gemeinsam haben?
Nicht wenige Menschen sprechen Dialekt. Damit können sie als Angehörige einer Region und ihres engeren Kulturkreises identifiziert werden. Das gilt in allen Sprachen. Es kann also ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit bekannten Merkmalen in Lebensanschauungen und Lebensgewohnheiten, Vorlieben und gemeinsamer Geschichte ebenso wie gemeinsamen Erfahrungen und "Errungenschaften" dadurch erkannt werden, daß man ihre Sprechweise mit einem bekannten Dialekt in Übereinstimmung bringen kann. Ist nun dieser Dialekt bei jeder Person unveräußerlich und unveränderlich, erfüllt er die Funktion eines Fingerabdruckes. Nun kann jeder sich bemühen, Hochdeutsch zu sprechen, ein Rest dialektspezifischer Sprach- bzw. Klangfärbung bleibt immer. Insofern kann sich niemand tatsächlich seiner kulturellen Identifizierung durch Sprache entziehen. Dies gilt erst recht für das Sprechen fremder Sprachen.
Wenn man sich seiner Identifikation durch Sprache ohnehin nicht entziehen kann, warum geben sich gerade Nord- und Westdeutsche soviel Mühe, ihren Dialekt zu verbergen? Genießt z.B. der westfälische Kulturkreis ein so schlechtes Ansehen, daß man es vorziehen müßte, ihm nicht anzugehören, während es wesentlich ehrenhafter ist, ein Bayer zu sein? Für eine solche Sichtweise gibt es wohl keinen Grund. Warum also identifizieren wir uns nicht aktiv mit unserem engeren Kulturkreis? Die Grenzen der kulturellen Eigenständigkeit und Verantwortlichkeit sind doch gerade in Deutschland sehr viel regionaler gezogen als anderswo. Warum lassen wir unsere regionale Herkunft nicht durch eine unmißverständliche Sprachfärbung ganz offen und unübersehbar erkennen? Dies nicht nur bei der Aufführung von Volksschwänken, sondern auch im Alltagsleben und bei intellektuell anspruchsvollen Themen.
Manch einer kann das deshalb nicht, weil ihm keine kulturelle Identität vermittelt worden ist. Kulturelle Identität, das sagt ihm nichts. Bildung und Überlieferung haben hier offensichtlich versagt. Trotz Kulturhoheit vergessen die zuständigen Länder oft die identitätsbildenden Komponenten in ihren Lehrplänen. Sollte das ein Grund sein, weswegen Bayern weniger Scheu haben, sich per Sprache zu ihrer Identität zu bekennen? Kulturelle Identität vermittelt u.a. Lebenskonzepte und vermittelt damit zumindest grobe Leitlinien zur Lebensbewältigung. Ist es nicht das, was immer mehr Menschen heute suchen und schmerzlich vermissen? Warum wird ihnen kulturelles Identitätsbewußtsein vorenthalten, obwohl es einen ansehnlichen Teil ihrer Probleme lösen könnte? Dies wäre Voraussetzung für einen Wettbewerb der Kulturen in Deutschland, ganz im Sinne der föderalen Verteilung der kulturellen Verantwortlichkeiten. Ein solcher Wettbewerb, kein Kampf, würde immense Antriebskräfte freisetzen, quasi eine freie Marktwirtschaft der deutschen Kulturkreise. Antriebskräfte auf allen Gebieten: Musik, Film, Theater, Architektur, alle darstellenden und gestaltenden Künste, Handel, Gewerbe, Verkehr, Technik, Wissenschaft, Gesellschaft..... Damit wären wir mental und substanziell fit für den weltweiten Wettbewerb der Kulturen, der schon lange im Gange ist.
Sprache ist aber nicht nur ein persönlicher Fingerabdruck zur kulturellen Identifizierung, Sprache ist auch ein Mittel zur kulturellen Gestaltung. Sprache ist Hilfsmittel zur Beschreibung und Übermittlung unserer Gedanken und Erkenntnisse. Sie grenzt gleichzeitig im ersten Schritt den Kreis der Teilhaber an Gedanken und Erkenntnissen ein und ab. Kein Wunder, daß sie gleichzeitig die Demarkationslinien der Kulturkreise zieht, mit denen wir stärker übereinstimmen als mit den Kulturkreisen anderer Sprachgebiete. Weil Sprache alles beschreiben soll, was wir wissen und denken, steht sie in Wechselwirkung mit unserer Erfahrungs- und Erkenntniswelt. Neue Erkenntnisse, neue Handlungsweisen bedingen neue Worte. Eine Sprache, deren Sprecher sich durch viel Unternehmergeist, Entdecker- und Erfindergeist auszeichnen, wird viele neue Worte schöpfen. Ist dies nicht der Fall, wird man auf neue Erkenntnisse, Konzepte, Produkte verzichten oder sie samt der dazugehörigen Wörter importieren müssen. Nun ist nicht zu erwarten, daß alle Sprachkreise gleich erfinderisch, innovativ sind und schon gar nicht alle dasselbe gleichzeitig erfinden. So kommt es zum Austausch von Ideen und Worten, die sich als Fremdworte manifestieren. Ein ganz normaler Vorgang. An der Zahl der Fremdworte müßte man also die Innovationskraft und geistige Produktivität eines Sprachkreises erkennen können, und zwar auf allen Gebieten, Kunst, Technik, Wirtschaft, Gesellschaft....In diesem Sinne formulierte schon Immanuel Kant vor mehr als zweihundert Jahren: Fremdworte sind entweder eine Folge von Nachlässigkeit oder von (geistiger) Armut. Er kannte unsere heutige Situation und unseren Zeitgeist noch nicht, sonst hätte er hinzugefügt: oder von einem ausgeprägten Selbstdarstellungsbedürfnis. Ist die Situation nämlich erst einmal so, daß der eigene Kulturkreis als öde und langweilig empfunden wird, weil von ihm zu wenig geistige Impulse, zu wenig Fortschrittlichkeit, in welchen Lebensbereichen auch immer, ausgehen, dann besteht ein zusätzlicher subjektiver Anreiz, Fremdworte zu benutzen, wenn es einem anderen Sprachkreis gelingt, ein positives Ansehen zu erwecken, sei es wegen tatsächlicher Fortschrittlichkeit oder auch ohne sachliche Unterlegung. Der einzelne kann sich durch den Gebrauch entsprechender Fremdworte die scheinbaren oder tatsächlichen geistigen "Errungenschaften" eines anderen Sprachkreises zunutze machen, ohne selbst je eine geistige Leistung erbracht zu haben, sich das Ansehen der Fortschrittlichkeit verschaffen, ohne selbst je für Fortschritt gesorgt zu haben. Worteklau geht mit Ideenklau einher. Nimmt dies umfassendere Formen an, kann die Mitläufermentalität gegenüber dem Streben nach eigenständiger, schöpferischer Weiterentwicklung die Oberhand gewinnen. Ein Kulturkreis, der seine Weiterentwicklung überwiegend aus Nachahmung eines anderen bezieht, wird die Achtung und Beachtung sowohl der eigenen Mitglieder wie der Mitglieder anderer Kulturkreise verlieren. Wer würde ihm etwas anderes wünschen?
Damit nicht genug. Im Leben hat alles seinen Preis. Ein Nachlassen der Innovativität bringt einen Rückgang des Wohlstandes mit sich, wie man leicht feststellen kann, wenn man sich international umschaut. Abnehmender Wohlstand bringt mehr Armut am unteren Ende der Skala mit allen damit verbundenen gesellschaftlichen Verwerfungen und Unruhen. Auch werden die Anderen, Innovativeren, ein Urheberrecht geltend machen, obwohl es dies für alles und jedes gar nicht gibt. In der Regel gelingt dies dennoch, denn sie haben früheren, schnelleren und direkteren Zugang zu ihren eigenen Ideen und können sie wirtschaftlich ausbeuten. Als Beispiel könnte man hier die amerikanische Filmindustrie oder die Informatik mit der Firma Microsoft als Protagonisten heranziehen.
Was kann man nun tun, um nicht in die beschriebene Lage zu geraten? Vielleicht sollte man einmal mit folgendem Therapieversuch beginnen:
- Stabile Wurzeln in seinem eigenen, engeren Kulturkreis schlagen,
- Aufbau eines positiven kulturellen Selbstvertrauens,
- Förderung des Willens und der Fähigkeiten zur schöpferischen Weiterentwicklung in allen Lebensbereichen.
Und wie macht man das? Mit der Beantwortung dieser Frage lassen sich Bücher füllen. Fangen wir doch einfach mal damit an, unsere sprachliche westfälische Identität offensichtlich zu machen und Worteklau zu vermeiden.
Hans-Joachim Thelen, 2005

1/2005
Sejjerlänner Platt
Im Siegerländer Bereich der VDS-Region 57 möchten wir nicht nur unsere hochdeutsche Sprache pflegen und die Flut von englisch/amerikanischen, oft lächerlichen Ausdrücken zurückdrängen, sondern auch einmal die heimatliche Mundart, d.h. den Siegerländer Dialekt, vorstellen.

Hauptsächlich die älteren "Eingeborenen" unter uns sprechen noch vielfach diesen Siegerländer Dialekt - eine Sprache, die älter ist als das Hochdeutsche. Deshalb bieten wir in wechselnder Folge kleine Episoden in "Sejjerlänner Platt", das von Tal zu Tal auch noch gewisse Unterschiede aufweist. Im jeweiligen Text wird vermerkt, aus welcher Gegend unserer Region er stammt.
Jetzt geht's los:
E Dellnhödde woar en raschije Frou, die ömmer onner Damp stonn. A nem ränerije Novemberoawend kurz vor sechse stürmde se eh Gudelius Lare: "Ihr Lüh onn ihr Kenner, ed rähnt darret drätscht, ed es so düster weh im Sack, ech woll e Broad, Gonnoawend."

Ea Iserfäell wohnde jonge Lieh, die hadde e klai Mädche. De Mudder woll gärn hoch hinus on lewer hoidisch schwätze. Se hadde och däm Keand dä scherne Name Aurora gegäe. Dad klengd bed osem Sejjerlänner "R" besonnersch good: Aurrorra. A nem Sonnichmorje woar de Klai em schearne Kleidche on nem Schlobb em Hoar vor dem Hus on sbeelde ea dr schlammige Gosse. De Mudder reef usm Feasder: "Schätzchen komm rein, du machst dich schmutzig!"

Det Keand horde awer ned onn soude wierer. Drob de Mudder werrer usm Feasder: "Aurrorra, du Dreggsou, geasde us dr Gosse!"

E Fändorf, am Silverster nommedach, stunge zwoe Froue ob dr Stroaße on verzalde sech wadd. Sädde die aj gä di anner: "Ich hab mr höh nojemoal alles jewäsche, onn de Fösse."

Assessor Dresler war damals Direktor der Grube Eisenzecher Zug bei Eiserfeld. Im Dorf traf er einen guten Bekannten, der ehemals Steiger auf der Grube war. Man sprach zunächst Hochdeutsch miteinander. Dann aber sogte Assessor Dresler:" Komm Karl, mr wonn Platt schwätze, dat rummt beasser!"

Der unvergessene Dr. Lothar Irle kam nach langer Zeit wieder einmal in seinen Heimatort Setzen. Auf der Straße trifft er auf zwei etwa zehnjährige Jungen. Er meint, an den Gesichtern erkennen zu können, in welche Familien die beiden gehören: "Ihr Jonge, wäm sitt ihr da?" Darauf sagt einer der beiden: "Ech sih oos, on hä es denn."
Alfred Stähler


1/2004
WortReich
Wir – die Region 57 im VDS e.V. – haben unseren Namen geändert. Dies war nach eingehender Diskussion um den geplanten Internetauftritt nötig, denn mit „Region 57“ ist einem Außenstehenden (reformierte Schreibweise: außen Stehenden, obwohl ja einige auch sitzen) nicht sofort klar, daß sich hinter der Zahl 57 der Postleitzahlenbereich verbirgt. Und um weiterhin eine möglichst kurze (und pfiffige) Internet-Adresse parat zu haben, sind wir erst auf WortReich gestoßen, um dann doch noch ein VDS vornan zu setzen. Diesem Begriff kann man dann durchaus noch die Postleitzahlen 57 anhängen. WortReich – aber auch wortreich – impliziert einerseits die Freude am Wortreichtum und die Lust am Wortspiel, andererseits macht die ungewöhnliche Schreibweise neugierig und assoziiert gleichermaßen mit dem „Reich des Wortes“ die gesamte Bandbreite unseres Engagements sowohl für das geschriebene als auch für das gesprochene Wort.
Weiterhin meinen wir, daß wir mit dieser – ohne weiteres modern, doch nicht denglisch oder dümmlich zu nennenden – Schreibweise und Namensgebung Freude am (Wort-)Experiment und Spaß am Wortspiel und Wortwitz demonstrieren und klar machen, daß wir im Kampf um gutes Deutsch nicht nur zurückblicken sondern Neuerungen durchaus aufgeschlossen gegenüberstehen.
Schließlich beinhaltet dieser Name insofern auch Verpflichtung und Herausforderung, als wir alle in unserer Region 57 (Siegerland, Wittgenstein, Olpe, der Raum Altenkirchen und Schmallenberg) uns diesem WortReich zugehörig und verpflichtet fühlen und wortreich dafür werben wollen, daß alle, wirklich alle Bereiche und Facetten des heimischen Raumes möglichst wortgewandt angesprochen werden. Dies schließt Dialekte, sprachliche Eigenheiten und Ungereimtheiten der Region ausdrücklich mit ein. Somit soll WortReich nicht ausgrenzen sondern einschließen. Bereichern sozusagen. Wie überhaupt in WortReich und wortreich gleichermaßen anklingt, daß im Wortreichtum nicht nur Ein- sondern durchaus auch Beidseitigkeit zum Tragen kommt. Der Gebende (Sprechende, Erzählende, Schreibende) gibt von seinem (Wort-)Reichtum, der Nehmende (Empfangene, Hörende, Lesende) fühlt sich bereichert.
Und schließlich hoffen wir – auch als Sprachstreiter und Sprachpatriot darf man mal träumen –, daß vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft der inzwischen große VDS seine Regionen in WortReiche umbenennt und wir somit zum Trendsetter – Verzeihung: Schrittmacher oder Richtungsgeber werden.
Wolfram Martin